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Meine Lieben,

Autor: Lina | Datum: 09 November 2011, 07:25 | Kommentare deaktiviert

 

in der letzten Zeit ging es mir hier nicht ganz so gut. Ich hatte oft schlechte Laune, weil nichts so klappen wollte, wie ich es gern wollte. Im Unterricht kamen wir nie zu den Inhalten, die ich gern vermittelt hätte, in der Schule kam ich auch nicht voran. Ich war oft sehr müde, habe vieles in Frage gestellt und mich einfach nicht wohl gefühlt in meiner Haut.

Seit letzter Woche habe ich jedoch einen richtigen Arbeitsplan, er legt fest, wo ich mich wie einbringen kann. Auf der einen Seite freut mich das sehr, denn so kann ich die Kinder noch besser kennenlernen und meine Ideen von Spiel- und Bastelaktionen endlich umsetzen. Auf der anderen Seite überfordert mich manches auch. Wenn ich zum Beispiel morgens in einen Wohnbereich komme und sich ein Kind eingenässt hat, dann ist das einfach noch zu viel für mich. Das kann ich noch nicht erledigen.

Aber nach der ganzen Zweifelei kam dann das Wochenende: Am Samstag bin ich mit einigen Vorstandsmitgliedern nach Lingga gefahren, wir haben uns dort die neue Kompostiermaschine angeschaut. Ein richtiges Erlebnis (siehe Fotos). Eigentlich ist diese Maschine so etwas wie der Schredder bei uns zu Hause, nur mit einem Motor, der wesentlich lauter ist und viele Abgase in die Umwelt lässt. Jetzt hat Lingga eine Maschine zur Kompostierung und eine kleinere, um das Gras klein zu machen, als Futter für die Kühe.

Viel ist dann am Samstag nicht mehr passiert, habe einiges erledigt wie Wäsche waschen, E-Mails schreiben und so weiter.

Am Sonntag, es regnete mal wieder aus Eimern, bin ich allein in den Gottesdienst gegangen und ich glaube, das hat richtig gut getan, denn meine Sorgen, Gedanken und schlechte Laune habe ich in einem Gebet bei Gott gelassen, soll er sich mal darum kümmern.

Außer einem hartnäckigen Husten, der wegen des ständigen Wetterwechsels nicht verschwinden will, geht es mir seitdem sehr viel besser. Der immer wieder aufkommende Regen macht mir nichts mehr aus. Und ich habe mir jetzt vorgenommen, mal etwas entspannter zu sein, mir nicht mehr zu viel vorzunehmen und es zu akzeptieren, dass der Deutschunterricht sich auch mal von selbst ergeben kann.

Ich habe mich zu diesem Jahr entschieden, und ich werde jetzt einfach mal meinen Weg gehen. Wie ich zu Anfang mal schrieb, Beppo der Straßenkehrer sah auch nicht seine lange Straße, sondern eben immer nur den nächsten Besenstrich. Also immer schön step by step.

Als ich am Sonntag vom Gottesdienst zurückkam, war eine deutsche Besuchergruppe Diakonissen im Haus.Wir aßen gemeinsam zu Mittag und im Gespräch kam dann auf, dass ich dunkles Brot zum Frühstück vermisse. Die Besucher erzählten dann, dass sie Schwarzbrot UND Wurst aus Deutschland mitgebracht hatten. Da ich am Montag sowieso immer meinen freien Tag habe, wurde ich eingeladen, die Gruppe den restlichen Tag und am Montag zu begleiten, um mal ein deutsches Frühstück genießen zu dürfen. Die Tage mit den Schwestern waren sehr schön, wir haben viel miteinander gelacht und ich habe viel von meiner Zeit hier erzählt und viel Anerkennung, Lob und Verständnis für meinen Tiefpunkt erhalten.

Und nun sage ich mir immer, nach jedem Tief kommt schließlich immer auch ein Hoch und dieses Hoch wird jetzt ganz lang sein und mich lange tragen.

Nun werde ich gleich meine nächste Deutschstunde geben, heute ist mal Grammatik dran. Das muss auch mal sein.

Bis bald Lina

(Jetzt ist es wieder ein so langer Text geworden)

 

Ein Lebenszeichen

Autor: Lina | Datum: 27 Oktober 2011, 09:54 | Kommentare deaktiviert

Hallo ihr Lieben,

seit dem letzten Eintrag ist ja einige Zeit vergangen, deshalb möchte ich mich zunächst für diesen verspäteten Eintrag entschuldigen.

In den letzten Wochen ist hier so einiges passiert. Ich hatte euch ja erzählt, dass ich hier Deutsch unterrichten soll. Meine ersten Deutschstunden habe ich jetzt gehabt und ich muss euch sagen, es klappt ganz gut. Nach der ganzen Vorfreude über eine richtige Aufgabe hier kam dann aber etwas Angst auf,

"Verstehen die Mitarbeiter, was ich ihnen vermitteln will ?  Können sie mir folgen ? Werde ich ihre Fragen verstehen und beantworten können?" Diese Ängste sollten sich schon nach der ersten Stunde als unbegründet herausstellen, denn in Unterricht ist immer jemand, der schon bzw. noch etwas Englisch oder Deutsch sprechen kann, dies erleichtert natürlich meine Arbeit ein wenig.

Die Vorbereitungen hatte ich mir auch alles andere als so anstrengend und stressig vorgestellt. Zunächst habe ich mir überlegt, wie ich den Unterricht aufbauen möchte. Es soll verschiedene Themenbereiche geben, die ich mit Arbeitsblättern und vielen Bildern erläutere und dann wird es zu einigen Themenbereichen Dialogtexte geben, so sind alle immer miteinbezogen. Vor allem möchte ich die Unterschiede zwischen Deutschland und Indonesien aufzeigen, z.B. in Sprache, Essen und Alltagssituationen wie dem Einkauf.  

Die Arbeitsblätter zu den bestimmten Themenbereichen im Internet suchen, das gestaltet sich leider schwieriger als gedacht. Mir kam dann die Idee, selbst Arbeitsblätter, mit Hilfe von ClipArt zusammenstellen. Doch dies war eine ganze Menge Arbeit und hat mich gefühlt eine Woche gekostet. Als dann endlich alle Arbeitsblätter fertig und ausgedruckt waren, musste alles kopiert werden. Ich glaube ich habe noch nie so viele Kilos nur an Papier durch die Gegend geschleppt.

Aber der Unterricht ist einfach super.

Wir lachen immer viel zusammen und haben eine Menge Spaß beim lernen der beiden Sprachen.

Durchs viele übersetzen lerne ich auch immer mehr indonesisch, was mich natürlich sehr freut, denn nur so kann ich mich mit den Kindern unterhalten und sie verstehen.

Damit wird auch Indonesien, bzw. Kabanjahe und damit Alpha Omega immer mehr zu meinem neuen zu Hause. Letzte Woche habe ich die letzten Sachen eingekauft um mich in meinen vier Wänden so richtig heimisch zu fühlen. Jetzt ist alles da und es geht mir richtig gut. Was natürlich immer noch nervt sind die Mücken, sie stechen und lieben mich so sehr, doch ich liebe sie nicht. 

So jetzt wünsche ich euch alles Gute, sende euch ein paar Sonnenstrahlen ins immer kälter werdende Deutschland und sage mal

Sampai jumpa, bis bald

Lina

 

Unverhofft kommt’s doch….

Autor: Lina | Datum: 05 Oktober 2011, 09:17 | Kommentare deaktiviert

Am Montag, der 03.10.11 war ein super TagSmile. Er begann pünktlich um 6.00Uhr mit der Dusche und dem „deutschen“ Weißbrotfrühstück. Dieses erlaube ich mir noch manchmal, wenn ich morgens echt Nasi, Gemüse und Fisch oder Fleisch nicht runter bekomme.

Nach dem Frühstück habe ich noch schnell Wäsche aufgehangen und mein Zimmer aufgeräumt. Dann bin ich raus zu den Kindern, die wie jeden Tag schon auf die Lehrer warteten.

Kaum war ich aus meiner Tür getreten, war ich umringt von Kindern. Sie riefen Lina, Lina, Apah Kabar? Apahr Tidur? Was so viel bedeutet wie, Wie geht es dir und wie hast du geschlafen. Das tat richtig gut und es war sehr schön, so begrüßt zu werden und nun zu wissen, dass ich bei den meisten Kindern jetzt angekommen bin, dass ich nicht Rebecca bin, sondern eben Lina.

Der Schultag war dann wieder ganz in Ordnung. Ich habe der Musikklasse zugehört und dabei den Hof gefegt, da zuvor ein Baum mal einen Kahlschnitt verpasst bekommen hatte.

Zwischendurch hieß es dann mal wieder: „Lina, lass allesstehen und liegen, wir fahren“. Es war nur eine kurzer Weg ins Büro der Kirche Modramen. Aber das war sehr praktisch, denn so konnte ich einige Dinge mit Benyamin klären und ich habe mir ein Fußweg gespart.

Der restliche Nachmittag war nicht mehr so spannend. Ich war kurz nochmal bei Benyamin, um meine Emails zu checken und bin dann mit ihm zurück zu Alpha Omega. Auf dem Weg dorthin haben wir uns über meine Aufgaben und meine Vorstellungen unterhalten.

Am Abend kam dann die absolute Überraschung.

 In einer Sitzung des Vorstandes von Alpha Omega wurde beschlossen, dass ich nun zwei Mal die Woche für anderthalb Stunden den Mitarbeitern Deutschunterricht geben soll. Ich voller Vorfreude natürlich zugesagt und mich tierisch über eine verantwortungsvolle Aufgabe gefreutJ

Ja und jetzt…wie mache ich das bloß???

Wobei, während ich diese Zeilen schreibe, kommen mir schon viele Ideen wie ich den Unterricht gestalten kann. Ich sehe das als absolute Chance für mich. Schließlich möchte ich später mal Lehrerin werden. Nun kann ich üben, wie es ist, Lehrerin zu sein. Mal sehen, wie ich mich so schlage. Ich werde euch weiterhin berichten.

Dann hat Benyamin mir auch noch viele andere Projekte genannt, die es hier gibt, in denen ich mich auch noch einbringen kann, wenn ich das möchte. Daraufhin habe ich gesagt, schön Schritt für Schritt.

Ich bin jetzt seit knapp vier Wochen hier.

Am Wochenende habe ich erstmals angefangen, mein Zimmer mit Bildern und Postkarten und kleinen Erinnerungen an zu Hause zu schmücken. Nun ist der Raum etwas wohnlicher und nicht mehr so weiß. Die Kinder lernen so langsam, das eine neue Freiwillige bei ihnen ist und das will ich erst mal weiter ausbauen und die Bekanntschaften zu den Mitarbeitern mehr aufbauen, bevor ich noch mehr mache. Denn wenn man auf so vielen Hochzeiten tanzt, das habe ich in der Zeit vor meiner Ausreise bemerkt, werden die Sachen weder Gut noch machen sie Spaß, weil es nur Stress bedeutet. Ich habe hier gelernt, ein bisschen mehr in den Tag hinein zu leben, zu tun, was einem gerade einfällt oder vor die Füße fällt und es zu genießen auch mal nur rumzusitzen.

Ich weiß, ein zwei Einträge zuvor habe ich mich noch darüber beschwert nur rumzusitzen und nichts zu tun zu haben, aber jetzt sitze ich nicht mehr nur, sondern kümmere mich um die Kinder, die meine Unterstützung brauchen. Ich schenke ihnen meine Ohren, Zuneigung und Aufmerksamkeit. Das mit dem Ohr klappt aufgrund der Sprache mal mehr Mal weniger gut.  Einige der Kinder schauen immer ganz verdutzt meine Hände und Beine an, weil die so anders aussehen, sie sind weiß.

Apropos  weiß, die jungen Menschen vor allem junge Männer rufen mir immer mal wieder  hinter her und heute rief sogar einer „I Love You“ , dabei hatte er mich zuvor noch nicht gesehen.

Dass die Menschen mir hinterher schauen, rufen und immer lächeln empfinde ich als eher angenehm. Wenn ich daran denke, dass Kabanjahe eine kleine Stadt ist, die zum Glück nicht unter Tourismus leidet und ich hoffe für sie, dass das erstmals auch so bleibt.

 Somit kennen und sehen die Menschen, die hier leben, nicht mehr Weiße als mich und die vorherigen und folgenden Freiwilligen.

So, mit einem Selamat Sore verabschiede ich mich nun von euch, bis bald und zum nächsten Eintrag

Eure Lina 

 

Sorgen

Autor: Lina | Datum: 27 September 2011, 10:47 | Kommentare deaktiviert

für alle die, die sich Gedanken um mich und meine Gesundheit hier machen:

Es geht mir wieder gut, war wohl der Kulturschock schlechthin und alles neu und anders und so....

Mir wird es hier wirklich sehr leicht gemacht, mich einzuleben.

Ganz liebe verregnete Grüße aus der Ferne

Lina

 

So langsam kehrt ein Alltag ein,

Autor: Lina | Datum: 27 September 2011, 10:44 | Kommentare deaktiviert

Nun ist meine dritte Woche in Kabanjahe angefangen.

Meine Woche beginnt hier am Sonntag mit dem Besuch eines Gottesdienstes. Ob nun hier direkt neben Alpha Omega oder eben in einer Nachbarstadt. Wobei hier Nachbarstadt gleich bedeutet, dass man sich mit einer 30-60 minütigen Fahrt auf die Reise macht.

Mein Tag beginnt gegen 6.15Uhr, dann stehe ich auf, die Kinder sind schon seit einer halben Stunde wach. Nach dem ich mich aus dem Bett quälte, wenn man seit drei Monaten frei hatte und immer erst gegen neun Uhr aufgestanden ist, ist knapp sechs für einen ziemlich früh.

Na ja, auf jeden Fall werde ich spätestens bei der kalten Dusche wach. Dusche ist hier auch zu viel gesagt, in meinem Badezimmer steht eine Tonne, in der ist zum Glück immer genügend Wasser, aus dieser schöpfe ich dann mit einer Kelle Wasser und dieses schütte ich mir über den Körper. Da mir nachts eigentlich immer warm ist, weil ich mit Schlafsack und Wolldecke schlafe, ist diese Dusche am Morgen auch eher erfrischend und eben ein toller Wachmacher. Den Kaffee zum wach werden kann ich nämlich nicht trinken, erstens trinken die anderen Mitarbeiter auch keinen und zweitens, wenn es Kaffee gibt, dann ist er so sehr süß, dass ich mir Sorgen um meine Zähne mache. Also steige ich eben auf Tee um, den es hier auch immer für die Kinder gibt. Dieser ist ebenso süß, aber ich verdünne ihn mir immer mit Wasser.

Dann wird auf die Schulglocke gewartet und ich gehe mit den Kindern auf den Hof, um zur Schule zu gehen. Bevor die Schule für die Lehrer und Mitarbeiter beginnt, gibt es jeden Tag eine kurze Andacht. Einmal im Monat auch eine auf Englisch. Diese Andacht war letzte Woche und ich musste mich auf Englisch allen vorstellen, das war vielleicht ein Spaß. Doch aus irgendwelchen Gründen hat es ganz gut geklappt und alle haben verstanden, was ich sagen wollte. Englisch im Alltag zu gebrauchen ist eben doch etwas anderes, als in der Schule.

Dann gebe ich mich immer ein wenig in der Schule ein, einige Kinder lernen Buchstaben und lesen, andere wiederum rechnen, viele nutzen ihre handwerklichen Fähigkeiten beim nähen,  batiken oder bauen von Putzwedeln.

Die Dinge die dort entstehen werden auf Märkten oder bei den Gottesdiensten außerhalb Kabanjahes verkauft.

Schule ist so etwa bis 12.30Uhr, dann gibt es Mittagessen, und danach eine längere Mittagspause, in der die Kinder sich ausruhen können. Gegen 16:00 Uhr stehen alle wieder auf und man trifft sich im Innenhof um zu singen, Geschichten zu erzählen und um dann später noch ein kleinen Lunch einzunehmen. Gegen 18.30Uhr ist dann Abendessen und danach geht der Großteil der Kinder ins Bett, die Älteren dürfen noch ein bisschen fernsehen und um 21Uhr gehen auch diese ins Bett. Wir Mitarbeiter folgen dann spätestens gegen 22Uhr todmüde den Kindern.

Ich muss sagen, momentan bin ich, auch wenn ich noch nicht zu viel zu tun habe, immer wieder kaputt. Das liegt wahrscheinlich an den vielen täglichen Eindrücken.

Letzten Sonntag war ich übrigens bei einer Mitarbeiterin Alpha Omegas, die ihr erstes Kind bekommen hatte und ich habe ein zwei Wochen junges Baby auf dem Arm gehabt. Das war richtig süß. Ich erlebe hier wirklich jeden Tag etwas, und alles kommt sehr spontan. Es heißt dann einfach:

Lina möchtest du mitkommen, Lina heute kommt der und der, er möchte dich kennen lernen. Später gehen wir noch was essen, möchtest du mitkommen. Ich gehe zum Markt, willst du mit.

Häufig stimme ich dem zu. Es ist alles so spannend hier.

Vor allem sind aber die Mitarbeiter und Kinder echt Klasse, sie fragen mich immer wieder, was ich möchte, ob mir etwas fehlt. Von allen aber kommt die Frage „ Sudah makkan“, hast du schon gegessen. Hier scheint wirklich das Essen Mittelpunkt des Lebens zu sein. Wie man auch am Tagesablauf sieht wird hier immer wieder gegessen. Ich muss dann manchmal sagen, ich bin satt oder ich esse nur eine kleine Portion.

Was ich hier aber viel tue, ich singe, man glaubt es ja kaum. Mit den Kindern, in der Schule, abends, wenn ich sie ins Bett bringe oder mittags, wenn wir zusammen sitzen, auf indonesisch oder auch einige Lieder auf deutsch.

Ihr seht, es wird immer besser

Eure Lina

 

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