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Ein Lebenszeichen

Autor: Lina | Datum: 27 Oktober 2011, 09:54 | Kommentare deaktiviert

Hallo ihr Lieben,

seit dem letzten Eintrag ist ja einige Zeit vergangen, deshalb möchte ich mich zunächst für diesen verspäteten Eintrag entschuldigen.

In den letzten Wochen ist hier so einiges passiert. Ich hatte euch ja erzählt, dass ich hier Deutsch unterrichten soll. Meine ersten Deutschstunden habe ich jetzt gehabt und ich muss euch sagen, es klappt ganz gut. Nach der ganzen Vorfreude über eine richtige Aufgabe hier kam dann aber etwas Angst auf,

"Verstehen die Mitarbeiter, was ich ihnen vermitteln will ?  Können sie mir folgen ? Werde ich ihre Fragen verstehen und beantworten können?" Diese Ängste sollten sich schon nach der ersten Stunde als unbegründet herausstellen, denn in Unterricht ist immer jemand, der schon bzw. noch etwas Englisch oder Deutsch sprechen kann, dies erleichtert natürlich meine Arbeit ein wenig.

Die Vorbereitungen hatte ich mir auch alles andere als so anstrengend und stressig vorgestellt. Zunächst habe ich mir überlegt, wie ich den Unterricht aufbauen möchte. Es soll verschiedene Themenbereiche geben, die ich mit Arbeitsblättern und vielen Bildern erläutere und dann wird es zu einigen Themenbereichen Dialogtexte geben, so sind alle immer miteinbezogen. Vor allem möchte ich die Unterschiede zwischen Deutschland und Indonesien aufzeigen, z.B. in Sprache, Essen und Alltagssituationen wie dem Einkauf.  

Die Arbeitsblätter zu den bestimmten Themenbereichen im Internet suchen, das gestaltet sich leider schwieriger als gedacht. Mir kam dann die Idee, selbst Arbeitsblätter, mit Hilfe von ClipArt zusammenstellen. Doch dies war eine ganze Menge Arbeit und hat mich gefühlt eine Woche gekostet. Als dann endlich alle Arbeitsblätter fertig und ausgedruckt waren, musste alles kopiert werden. Ich glaube ich habe noch nie so viele Kilos nur an Papier durch die Gegend geschleppt.

Aber der Unterricht ist einfach super.

Wir lachen immer viel zusammen und haben eine Menge Spaß beim lernen der beiden Sprachen.

Durchs viele übersetzen lerne ich auch immer mehr indonesisch, was mich natürlich sehr freut, denn nur so kann ich mich mit den Kindern unterhalten und sie verstehen.

Damit wird auch Indonesien, bzw. Kabanjahe und damit Alpha Omega immer mehr zu meinem neuen zu Hause. Letzte Woche habe ich die letzten Sachen eingekauft um mich in meinen vier Wänden so richtig heimisch zu fühlen. Jetzt ist alles da und es geht mir richtig gut. Was natürlich immer noch nervt sind die Mücken, sie stechen und lieben mich so sehr, doch ich liebe sie nicht. 

So jetzt wünsche ich euch alles Gute, sende euch ein paar Sonnenstrahlen ins immer kälter werdende Deutschland und sage mal

Sampai jumpa, bis bald

Lina

 

Unverhofft kommt’s doch….

Autor: Lina | Datum: 05 Oktober 2011, 09:17 | Kommentare deaktiviert

Am Montag, der 03.10.11 war ein super TagSmile. Er begann pünktlich um 6.00Uhr mit der Dusche und dem „deutschen“ Weißbrotfrühstück. Dieses erlaube ich mir noch manchmal, wenn ich morgens echt Nasi, Gemüse und Fisch oder Fleisch nicht runter bekomme.

Nach dem Frühstück habe ich noch schnell Wäsche aufgehangen und mein Zimmer aufgeräumt. Dann bin ich raus zu den Kindern, die wie jeden Tag schon auf die Lehrer warteten.

Kaum war ich aus meiner Tür getreten, war ich umringt von Kindern. Sie riefen Lina, Lina, Apah Kabar? Apahr Tidur? Was so viel bedeutet wie, Wie geht es dir und wie hast du geschlafen. Das tat richtig gut und es war sehr schön, so begrüßt zu werden und nun zu wissen, dass ich bei den meisten Kindern jetzt angekommen bin, dass ich nicht Rebecca bin, sondern eben Lina.

Der Schultag war dann wieder ganz in Ordnung. Ich habe der Musikklasse zugehört und dabei den Hof gefegt, da zuvor ein Baum mal einen Kahlschnitt verpasst bekommen hatte.

Zwischendurch hieß es dann mal wieder: „Lina, lass allesstehen und liegen, wir fahren“. Es war nur eine kurzer Weg ins Büro der Kirche Modramen. Aber das war sehr praktisch, denn so konnte ich einige Dinge mit Benyamin klären und ich habe mir ein Fußweg gespart.

Der restliche Nachmittag war nicht mehr so spannend. Ich war kurz nochmal bei Benyamin, um meine Emails zu checken und bin dann mit ihm zurück zu Alpha Omega. Auf dem Weg dorthin haben wir uns über meine Aufgaben und meine Vorstellungen unterhalten.

Am Abend kam dann die absolute Überraschung.

 In einer Sitzung des Vorstandes von Alpha Omega wurde beschlossen, dass ich nun zwei Mal die Woche für anderthalb Stunden den Mitarbeitern Deutschunterricht geben soll. Ich voller Vorfreude natürlich zugesagt und mich tierisch über eine verantwortungsvolle Aufgabe gefreutJ

Ja und jetzt…wie mache ich das bloß???

Wobei, während ich diese Zeilen schreibe, kommen mir schon viele Ideen wie ich den Unterricht gestalten kann. Ich sehe das als absolute Chance für mich. Schließlich möchte ich später mal Lehrerin werden. Nun kann ich üben, wie es ist, Lehrerin zu sein. Mal sehen, wie ich mich so schlage. Ich werde euch weiterhin berichten.

Dann hat Benyamin mir auch noch viele andere Projekte genannt, die es hier gibt, in denen ich mich auch noch einbringen kann, wenn ich das möchte. Daraufhin habe ich gesagt, schön Schritt für Schritt.

Ich bin jetzt seit knapp vier Wochen hier.

Am Wochenende habe ich erstmals angefangen, mein Zimmer mit Bildern und Postkarten und kleinen Erinnerungen an zu Hause zu schmücken. Nun ist der Raum etwas wohnlicher und nicht mehr so weiß. Die Kinder lernen so langsam, das eine neue Freiwillige bei ihnen ist und das will ich erst mal weiter ausbauen und die Bekanntschaften zu den Mitarbeitern mehr aufbauen, bevor ich noch mehr mache. Denn wenn man auf so vielen Hochzeiten tanzt, das habe ich in der Zeit vor meiner Ausreise bemerkt, werden die Sachen weder Gut noch machen sie Spaß, weil es nur Stress bedeutet. Ich habe hier gelernt, ein bisschen mehr in den Tag hinein zu leben, zu tun, was einem gerade einfällt oder vor die Füße fällt und es zu genießen auch mal nur rumzusitzen.

Ich weiß, ein zwei Einträge zuvor habe ich mich noch darüber beschwert nur rumzusitzen und nichts zu tun zu haben, aber jetzt sitze ich nicht mehr nur, sondern kümmere mich um die Kinder, die meine Unterstützung brauchen. Ich schenke ihnen meine Ohren, Zuneigung und Aufmerksamkeit. Das mit dem Ohr klappt aufgrund der Sprache mal mehr Mal weniger gut.  Einige der Kinder schauen immer ganz verdutzt meine Hände und Beine an, weil die so anders aussehen, sie sind weiß.

Apropos  weiß, die jungen Menschen vor allem junge Männer rufen mir immer mal wieder  hinter her und heute rief sogar einer „I Love You“ , dabei hatte er mich zuvor noch nicht gesehen.

Dass die Menschen mir hinterher schauen, rufen und immer lächeln empfinde ich als eher angenehm. Wenn ich daran denke, dass Kabanjahe eine kleine Stadt ist, die zum Glück nicht unter Tourismus leidet und ich hoffe für sie, dass das erstmals auch so bleibt.

 Somit kennen und sehen die Menschen, die hier leben, nicht mehr Weiße als mich und die vorherigen und folgenden Freiwilligen.

So, mit einem Selamat Sore verabschiede ich mich nun von euch, bis bald und zum nächsten Eintrag

Eure Lina